Ein König für die Orgeln – Die König-Orgeln in Swisttal, Schleiden und Steinfeld
OrgelExkursion am 30. August 2025
Bei dieser Orgelexkursion stand die Orgelbauerfamilie König im Mittelpunkt. So wurden an diesem Tage drei Orgeln von Balthasar König und seinem Sohn Christian Ludwig näher in den Blick genommen.
Nach einer kurzen Fahrt traf die Gruppe in St. Martinus in Swisttal-Ollheim ein. Die Orgel der Kirche ist historisch und überregional bedeutend. Es handelt sich um ein Instrument des Kölner Orgelbauers Christian Ludwig König, einem prominenten Orgelbauer des rheinischen Barocks, der im 18. Jahrhundert im nördlichen Rheinland wirkte. Sie gilt als die am originalgetreusten erhaltene von den insgesamt etwa 30 Orgeln, die König alleine oder in Zusammenarbeit mit seiner Familie in seiner Kölner Werkstatt gefertigt hat.
Von dem Instrument war lediglich bekannt, dass es wohl aus dem 1803 aufgelösten benachbarten Frauenkloster „Schillingskapellen“ (heute Kapellen bei Dünstekoven) stammt. 1917 wurde die Orgel dann in die neu erbaute Kirche umgestellt. 1964 wurde das Instrument von der Werkstatt Klais überholt und repariert und um ein selbständiges Pedal erweitert. Bei der Sanierung 2013/2014 stellte der Orgelbauer anhand des erhaltenen Pfeifenmaterials fest, dass die Orgel von dem prominenten Orgelbauer des rheinischen Barock, Christian Ludwig König stammt. Dies darf als kunst– und musikhistorische Sensation gewertet werden, vor allem, weil nicht nur das ausgesprochen elegante Gehäuse, sondern auch die Windlade, ein Großteil des Pfeifenwerks und Teile der Mechanik erhalten sind.
Der geschäftsführende Vorsitzende des Ollheimer Kirchenvorstands Heiner Meurs berichtete noch einmal von der Entdeckung und Renovierung der Orgel. Die Seelsorgebereichsmusikerin Nicole Prinz stellte anschließend die Orgel in einem kleinen Konzert vor, mit Orgelliteratur, die besonders gut zu diesem Instrument passte. Schließlich stand zum Abschluss ein Besuch auf der Orgelempore an, bei dem alle 30 Teilnehmenden einen Blick auf und in das Instrument werfen konnten.
Nach einer längeren Weiterfahrt durch die sonnendurchflutete Eifel erreichten wir Schleiden und stiegen zur Schlosskirche auf. Dort erwartete uns Bernhard Blitsch, Regionalkantor für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, der die König-Orgel in der Schlosskirche St. Philippus und St. Jakobus vorstellte. Die dreischiffige spätgotische Hallenkirche mit Netz- und Sterngewölben wurde zwischen 1516 und 1525 im Auftrag des Grafen Dietrich IV. von Manderscheid-Schleiden errichtet. Die mit einem Stein verschlossene Familiengruft der Manderscheider befindet sich vor dem Chor. Die Orgel der Schlosskirche ist ein weitgehend im Original erhalten gebliebenes Werk des Orgelbauers Christian Ludwig König aus dem Jahre 1770. Das Gehäuse des Musikinstruments wurde im Stil des Rokoko gestaltet. Das Instrument hat 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Bernhard Blitsch brachte passende Musik aus der Zeit des Orgelbaus und aus der Region zu Gehör.
Nach einem Mittagessen in JoSi’s Restaurant in Kall fuhren wir weiter nach Steinfeld. In strahlend blauem Himmel erwartete uns die Basilika in Steinfeld auf dem Berg. Steinfeld gilt in seiner Gesamtanlage als eines der besterhaltenen klösterlichen Baudenkmäler des Rheinlandes, als Ort einer lebendigen, nunmehr tausendjährigen Kultur und Tradition. Die Basilika wurde 1142 bis 1150 von den Prämonstratensern im romanischen Stil erbaut. Kunstgeschichtlich ist das Gotteshaus ein Ensemble der verschiedenen einander folgenden Stile, in dem vor allem die romanische Architektur mit der vorwiegend barocken Ausstattung harmonisch vereinigt ist. In religiöser Hinsicht ist die Basilika Steinfeld eine Wallfahrtsstätte zum Grab des heiligen Hermann-Josef (1150–1241), der als Prämonstratenser in Steinfeld gelebt und gewirkt hat.
Michael Pützer, Organist an der Basilika Seinfeld, erläuterte die wechselvolle Geschichte dieser Orgel. Balthasar König aus Bad Münstereifel vollendete 1727 das barocke Orgelwerk mit 29 Registern. Die heutige Disposition der Orgel und ihre äußere Gestalt gehen in wesentlichen Teilen auf eine 1727 vorgenommene Erweiterung durch einen anonymen Orgelbauer zurück. Aufgrund der Disposition wird Balthasar König als Urheber vermutet, der damals in Münstereifel, später in Köln ansässig war. Die Firma Klais aus Bonn erweiterte 1934 die Orgel auf 46 Register und elektrifizierte die Spiel- und Registertraktur. Die Restaurierung bzw. Rekonstruktion zwischenzeitlich entfernter Register sowie die Pedalerweiterung führte Josef Weimbs durch und wurde 1981 fertiggestellt. Die Steinfelder Orgel ist heute die größte und am besten erhaltene Orgel von Balthasar König, der zu seiner Zeit der zweifellos bedeutendste rheinische Orgelbauer war und zusammen mit seinen Schülern und Söhnen den rheinischen Orgelbau nachhaltig prägt. Zudem ist sie eine der ganz wenigen Orgeln aus dem rheinischen Raum, die noch Pfeifenmaterial aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert enthalten.
In einem kleinen Konzert konnte auch hier Bernhard Blitsch das Instrument in seiner klanglichen Vielfalt zum Klingen bringen. Ein Besuch auf der Orgelempore gehört auch hier zum festen Bestandteil unseres Besuchs. Mit Mühen konnte die interessierte Gruppe bewegt werden, wieder in den Bus einzusteigen. Nach einer guten Stunde Rückfahrt erreichten wir, erfüllt mit vielen Eindrücken, den Bahnhof Siegburg.
Andreas Würbel
- St. Martinus in Swisttal-Ollheim
- Nicole Prinz erläutert die Orgel in Ollheim
- Die Orgel in der Schlosskirche in Schleiden
- Bernhard Blitsch erläutert die Orgel in Schleiden
- Michael Pützer berichtet über die Geschichte der Orgel in Steinfeld
- Die Orgel in der Basilika in Steinfeld
- Die Orgel in der Basilika in Steinfeld 2
- Bemelte Pfeiffen in der Basilika in Steinfeld
Fotos: Andreas Würbel









Andreas Würbel