Königinnen an der Elbe- Orgelexkursion nach Hamburg am 3. bis 5. September 2025
Wer an Hamburg denkt, dem kommen viele Assoziationen in den Sinn: der Hamburger Hafen, die Reeperbahn, der HSV, die Tradition der Bürgerschaft, die moderne Architektur und natürlich die Elbphilharmonie. Dass aber Hamburg eine Großstadt mit einer reichen Orgellandschaft mit über 300 Instrumenten ist – das wissen nur wenige. Es ist bekannt, dass die Stadt 1678 Europas erste Bürgeroper eröffnete und Meister der Klassik wie Georg Philipp Telemann oder der Romantik wie Johannes Brahms eng mit der Stadt verbunden sind. Der gute Ton wird in den Kirchen und den Konzerthallen gepflegt. Doch die Orgel in der Elbphilharmonie – von der Bonner Orgelwerkstatt Klais erbaut – wurde schnell zum Gesprächsthema in der Stadt und auch Anlass für unsere Orgelexkursion nach Hamburg. Vier Orgeln in Kirchen und die Orgel in der Elfi standen auf dem Programm der drei Tage. Wieder war die Veranstaltung, die schon 2024 zum Programm von OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis gehörte, bis auf dem letzten Platz ausgebucht. Unter der Leitung von Andreas Würbel fuhr die Gruppe mit der Deutschen Bahn in die Hansestadt.
Den Anfang macht die Arp-Schnitger-Orgel in St. Jacobi, eine Barockorgel norddeutschen Typs. Die Fertigstellung dieser Orgel geht auf das Jahr 1693 zurück. Die Orgel wurde im 18. und 19. Jahrhundert fast nicht verändert. Erst das 20. Jahrhundert brachte mit den Weltkriegen große Verluste der historischen Substanz mit sich. 1993 wurde das Instrument nach einer erneuten Restaurierung der Gemeinde wieder übergeben. Große Verdienst um die Restaurierung hatte dabei der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Gerhard Löffler, Kantor und Organist an der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg, erläuterte mit großer Begeisterung die Geschichte des Instruments und stellte es in einem kleinen Konzert vor. Spannend war für alle der Besuch auf der Orgelempore, um den historischen Spieltisch aus der Nähe anzusehen.
Der zweite Tag begann mit einem ausführlichen Besuch des Hamburger Michels. St. Michelis ist eine der evangelischen Hauptkirchen Hamburgs und auch ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt. In der Kirche sind gleich sechs Instrumente zu finden. Drei von Ihnen bilden im Kirchraum mit 145 Registern die größte Orgelanlage in Norddeutschland. Jörg Endebrock, Kantor und Organist an St. Michaelis stellte uns diese Orgelanlage vor, zu der eine große Steinmeyer-Orgel, eine Magnussen-Orgel und ein Fernwerk auf dem Dach gehört. Alles wird heute über einen großen zentralen Spieltisch, der von Orgelbau Klais geschaffen wurde, gesteuert und gespielt. Zudem gibt es noch eine Carl-Philipp Emmanuel Bach-Orgel, die vor allem für Barockmusik geeignet ist. Das Angebot, die anschließende Mittagsandacht zu besuchen, haben viele Gäste auch wahrgenommen, weil hier noch einmal die Orgeln in ihrer Vielfalt zu hören waren.
Am Nachmittag stand ein ganz besonderes Instrument auf dem Programm. Wir besuchten den Kantor und Organisten Andreas Fischer in der Hauptkirche St. Katharinen. Er initiierte in den 1990er Jahren das Projekt „Eine Orgel für Bach in St. Katharinen, Hamburg“. Ziel war es, die alte Orgel in St. Katharinen anhand von historischen Pfeifen und Dokumenten zur rekonstruieren Die Rekonstruktion erfolgte von 2009-2013 durch die niederländische Firma Flentrop. Somit hat Hamburg nun zwei Orgeln aus der Zeit des Hanseatischen Orgelbarock. Wir konnten uns im Konzert von der klanglichen Schönheit überzeugen.
Am letzten Tag unserer Exkursion standen zwei „moderne“ Instrumente auf dem Programm. Am Morgen stellte uns Domorganist Christian Weiherer die Beckerath-Orgel im St. Marien-Dom vor. Beckerath, ein Hamburger Orgelbauer, der u.a. in Frankreich den Orgelbau erlernt hatte, schuf ein Instrument, das auch für die französischer Orgelmusik geeignet ist. 1967 gebaut, 2008 generalüberholt und erweitert, steht 2027 wieder eine Erneuerung der Orgel an, die den Charakter dieses Instruments wieder auf die Anfänge zurückführen wird.
Sicher ein Höhepunkt unserer Reise war der Besuch der Elbphilharmonie. Nach einer Führung zur Geschichte und Architektur des Gebäudes empfing uns Thomas Cornelius, Organist, Komponist und Dirigent, im großen Saal der Elfi und stellte uns die Orgel mit ihren 4765 Pfeifen aus der Werkstatt Klais vor. Die Orgel, die zum einen in den Wänden des Konzertsaals verbaut ist, hat auch Register, die oberhalb des Saals angebracht sind und noch einmal ein besonderes Klangerlebnis ermöglichen. Eine große Herausforderung ist sicher die völlig andere Akustik als in einer Kirche. Aber das Instrument verfügt auch über neue technische Möglichkeiten, die ein neues, anderes Orgelspiel ermöglichen, als auf „traditionellen“ Instrumenten. Somit war der Besuch bei dieser Orgel auch ein Blick in den Orgelbau für das 21. Jahrhundert mit seinen neuen klanglichen Möglichkeiten. Thomas Cornelius konnte sich noch an unseren Besuch vor einem Jahr erinnern und verabschiedete mich mit „bis zum nächsten Mal“.
Erfüllt von zahlreichen optischen, akustischen und klanglichen Eindrücken traten wir Abend die Rückreise ins Rheinland an. Alles waren sich einig: Der Besuch bei den Königinnen an der Elbe hat sich gelohnt!
Andreas Würbel, Referent OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis
- St. Jacobi – Arp-Schnittger-Orgel
- St. Jacobi – Arp-Schnittger-Orgel 2
- St. Michaelis
- St. Michaelis – Spieltisch
- St. Michaelis – Steinmeyer-Orgel
- St. Katharinen – Flentrop-Orgel
- Mariendom 1
- Christian Weiherer am Beckerath-Spieltisch im Mariendom
- Elbphilharmonie 3
- Elbphilharmonie 1
- Elbphilharmonie 2
- Elbphilharmonie 4 – Thomas Cornelius mit Andreas Würbel













