OrgelErlebnis- Pädagogisches Konzept

Zur Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit des OrgelErlebnis-Projekt haben wir Barbara Pikullik zusammen mit Brigitte Rauscher beauftragt, ein pädagogisches Konzept zu den OrgelErlebnissen zu erstellen. Frau Pikullik und Frau Rauscher verfügen beide über die notwendige fachliche Expertise aufgrund ihrer Tätigkeiten, sie stützen sich aber auch auf ihre eigenen Erfahrungen als Mitwirkende im OrgelErlebnis-Projekt. Im nachfolgenden Beitrag finden Sie die Entstehungsgeschichte des Projekts, das gesamte Konzept ist hier als PDF-Datei herunterladbar.

Wir freuen uns, wenn diese tolle Projektidee auf viele Nachahmer findet und wünschen viel Spaß und Erfolg!

 

Entstehung

Die OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis, eine Veranstaltungsreihe des Rhein-Sieg-Kreises in Kooperation mit der Thomas-Morus-Akademie Bensberg, wurde über zwei Jahre hinweg intensiv vorbereitet. Drei Programmlinien bilden die Säulen des Projekts: 1. Festival OrgelKultur, 2. OrgelExkursionen, 3. Förderung der Orgelkultur im Rhein-Sieg-Kreis: OrgelErlebnis für Kinder, OrgelCamp & OrgelStipendien.

Deutschland zählt zu den weltweit wichtigsten Ländern in der Orgelkunst. Die UNESCO hat diese Tradition daher in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Auch wenn Deutschland durch die Orgelkultur geprägt ist, droht eine Erosion dieser Tradition, zumal die Orgel vorwiegend als ein Kircheninstrument betrachtet wird. Mit seinen verschiedenen Schwerpunkten im Rahmen von BTHVN 2020 ist das Projekt ein eindringlicher Appell, diese besondere Orgel-Kultur zu erhalten und zukunftsfähig zu machen. Das Fundament der Zukunftsfähigkeit bilden an erster Stelle die Nachwuchsförderung und die Impulse für erste Konzerterlebnisse und -eindrücke der jungen Generation. Dies wurde während des Vorbereitungszeitraums klar herausgestellt. Um mit der Zielsetzung des Audience Developments eine breite Gruppe über soziale und Bildungsschranken hinweg zu erreichen, wurde für das OrgelErlebnis mit dem Kirchraum zwar ein „außerschulischer Lernort“ gewählt, gleichzeitig aber finden die Veranstaltungen in der Regel vormittags statt und sind in den schulischen Ablauf eingebunden. Im Vordergrund stand das Ziel, durch die Ansprache im Rahmen des Klassenverbandes Kinder einzubeziehen, deren Eltern keinen Fokus auf kulturelle und ästhetische Bildung setzen. Diese Priorisierung wurde im Laufe von intensiven Gesprächen innerhalb des Projektbeirats herausgestellt.[1]

Schließlich kristallisierte sich das OrgelErlebnis als Reigen von Konzerten für Kinder heraus. Zielgruppe sind GrundschülerInnen, die im Klassenverband dem OrgelErlebnis in ausgewählten Kirchen beiwohnen. Die Umsetzung erfolgte zunächst im Jubiläumsjahr 2020, mit coronabedingten Unterbrechungen. Die Resonanz war dennoch durchschlagend, binnen kurzer Zeit waren die meisten Angebote ausgebucht. Coronabedingt ist eine Fortsetzung in 2021 noch unter dem Dach von BTHVN 2020, der Thomas Morus Akademie und des Rhein-Sieg-Kreises geplant. Darüber hinaus soll das OrgelErlebnis weitergeführt werden – auch aufgrund des Erfolgs in der geförderten Phase möge dieses Konzept Verstetigung finden.

(Barbara Pikullik, Brigitte Rauscher)

OrgelErlebnis für Kinder, ein Erfahrungsbericht

Ein Beitrag von Katrin Wissemann, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Siegburg.

Im Rahmen des Festivals Orgelkultur boten Organistinnen und Organisten aus dem Rhein-Sieg-Kreis Orgelkonzerte für Kinder im Grundschulalter an. Da ich immer wieder erlebt habe, wie fasziniert Kinder von der Orgel sein können, schloss ich mich diesem Angebot gerne an und bereitete zusammen mit einer Sprecherin das musikalische Märchen „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew vor. Wir haben dieses Stück in unterschiedlichen Kirchen aufgeführt und dabei die jeweilige Orgel vor Ort den Kindern ganz aus der Nähe erklärt. Viele Besonderheiten fallen einem selbst in der täglichen Routine gar nicht mehr auf, und so war es auch für mich als Ausführende schön, durch die Kinder noch einmal einen unverstellten Blick auf das Instrument zu bekommen.

Es ging in den meisten Kirchen damit los, dass die Kinder schon den Blick von der Empore in den Kirchraum als sehr eindrucksvoll erlebten. Wir erklärten die Mechanik, die Traktur und die Register. Wo es möglich war, öffneten wir die Türen und warfen einen Blick auf die vielen Pfeifen im Inneren der Orgel, schauten an, wie die Bälge sich aufzogen und spielten die größten und die kleinsten Pfeifen.

Das Stück „Peter und der Wolf“ erwies sich dabei als gut geeignet: Anhand der Personen und Tiere, die in der Geschichte vorkommen und im Original jeweils von unterschiedlichen Instrumenten gespielt werden, konnte ich die Klangfarben der einzelnen Register gut vorstellen. Viele der Orchesterinstrumente, die im Original vorgesehen sind, waren oftmals auch als Register vorhanden, z.B. Streicherstimmen, Flöte, Oboe, Trompete und Fagott.

Hier einige Zitate der Kinder:

„Das ist aber eine schöne Kirche.“

Im Anschluss an die Orgelführung auf der Empore nahmen die Kinder vorne in der Kirche Platz und hörten das musikalische Märchen von Peter und dem Wolf. Eine Klasse hatte sogar Figuren der Personen und Tiere aus der Geschichte vorbereitet, die die Kinder jeweils heben durften, wenn das entsprechende musikalische Motiv erklang.

Der Ausflug zum OrgelErlebnis hat bei vielen Kindern noch nachgewirkt, unterstützt durch engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich für dieses Projekt auch im Unterricht noch Zeit genommen hatten. Wir bekamen im Anschluss oft Post mit selbstgemalten Bildern von der Orgel oder der Geschichte. Eine ganz kleine Auswahl dieser Bilder ist auch hier zu sehen.

Mir hat es großen Spaß gemacht, auf diese Weise vielen Kindern unterschiedliche Orgeln vorzustellen, die Geschichte „Peter und der Wolf“ jedes Mal neu musikalisch zu erleben und wieder ein bisschen Staunen zu lernen über die Vielseitigkeit „meines“ Instrumentes.

Katrin Wissemann, Kantorin der ev. Kirchengemeinde Siegburg

 

Orgelkonzert zum Aschermittwoch im Live-Stream

Seit den 1950er Jahren findet in Köln der Aschermittwoch der Künstler statt. Nach einer Initiative des katholischen Schriftstellers und Diplomaten Paul Claudel in Paris begründet, wurde die Idee von Josef Kardinal Frings 1950 für das Erzbistum Köln aufgegriffen. Nach einem festlich gestalteten Aschermittwochsgottesdienst wird in einer Akademieveranstaltung ein ausgewähltes Thema aus Kunst, Musik, Architektur oder … diskutiert. Weiter gibt es den Tag über Kunstausstellungen, Konzerte und die Zeit zur Begegnung. In diesem Jahr fällt der Aschermittwoch der Künstler in Köln als Präsenzveranstaltung aus.
Als kleiner Ersatz wird morgen um 20.00 Uhr ein Konzert mit dem Domorganisten Winfried Bönig aus dem Kölner Dom live übertragen. Aufgeführt wird von Oliver Messiaen das Werk „Livre du Saint Sacrement“ (Buch vom Heiligen Sakrament). Es handelt sich um 18 Mediationen für Orgel zum Thema Eucharistie, die Messiaen 1984-1985 komponierte. Sie wurden 1986 erstmals aufgeführt.

Ein Beitrag von Andreas Würbel, Referent der Thomas-Morus-Akademie und des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis.

Das Konzert können Sie live verfolgen im Domradio, im Internet und im Fernsehen auf EWTN.

Eine – vielleicht – wahre Orgelgeschichte

Heute, vor genau einem Jahr, starteten wir mit dem Eröffnungskonzert des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis in das Beethoven Jubiläumsjahr 2020. Noch nicht wissend, welche Herausforderungen und Neuigkeiten in diesem Jahr noch auf uns warten würden. Heute blicken wir zurück auf ein Jahr mit einigen Absagen, aber auch vielen sehr gelungenen Veranstaltungen und einem tollen Team von Beteiligten und freuen uns auf die Veranstaltungen, die wir glücklicherweise in dieses Jahr verschieben konnten.
Herzlich danken wir Heiner Meurs für den heutigen Beitrag, in dem wir mehr über die Orgel erfahren, auf der Markus Eichenlaub (Domorganist des Speyerer Doms) im letzten Jahr unser Festival eröffnete.

Wir befinden uns in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts: Clemens August von Bayern, seines Zeichens Kurfürst und Erzbischof von Köln, hatte 1761 seinen himmlischen Frieden gefunden – der Herr hat’s gegeben, der Herr hat‘s genommen, gepriesen sei der Name des Herrn in Ewigkeit (Buch Hiob). 1763 war im fernen Osten des Hl. Römischen Reiches nach sieben Jahren Krieg eine neue Hegemonialmacht erstanden. Da trug sich im Jahre des Herrn 1767 in einem Adelsdamenstift der Augustinerchorfrauen in Schillingscapellen zu, dass die Wahl einer neuen Äbtissin anstand – der Herr hat’s gegeben … Der überaus frommen Nonne Maria Lambertina Freifrau von Brackel zu Breitmar wurden beim Chorgebet, in den Stunden der Laudes und der Komplet, gute Chancen auf die Wahl zur Äbtissin eingeräumt. Aber – man kann bei solcherart Abläufen ja nie wissen …

Foto: Alexander Schulte, Schillingscapellen, Klosterruine. Blick aus dem niedergelegten Kirchenschiff auf die Wand zwischen Kirchenraum und Nonnenempore (dahinter) mit der großen Fensteröffnung. Der wahrscheinliche Standort der Orgel, so dass der Organist beide Bereiche einblicken konnte. 

Da machte auf einmal ein Gerücht die Runde, man mochte es kaum glauben, aber – ‘was Wahres musste ja wohl dran sein, woher sonst sollte das Gerücht kommen: Zur Verherrlichung des Herrn und zum schöneren Lobpreis Gottes sollte eine Orgel den Kirchenraum des Klosters beseelen, gestiftet von den Eltern Maria Lambertinas, den hochehrenwerten Familien von Brackel zu Breitmar und von der Portzen. Wenn das kein Fingerzeig war, auf den sehnlichst gewartet worden war! Und tatsächlich, Maria Lambertina wurde zur „Ehrwürdigen Mutter“ erwählt – und das Stift erhielt seine Orgel.

Als Erbauer sollte kein geringerer als der damalig prominenteste unter den wohlachtbaren Orgelbaukünstlern den Auftrag erhalten: Christian Ludwig König (1717 – 1789). Er selbst aus der Hohen Domstadt zu Köln hatte bereits die Orgel der Hofkirche St. Maximilian zu Düsseldorf erbaut und auch die der Schlosskirche von Schleiden, sein Vater die des Klosters Steinfeld – wenn das keine Referenzen waren! Jedenfalls erbaute König in den Jahren 1768 bis 1769 – im benachbarten Miel wurde mit dem Neubau eines Schlosses begonnen – ein Instrument von einer solchen Qualität, dass es die Jahrhunderte überdauerte und in unsere Zeit gekommen ist. Und das obwohl die Orgel in den Wirren der französischen Besatzung doch tatsächlich die Abqualifizierung einer mediokren, einer „leidlichen“ erhalten sollte – aber was konnte von den „Gottlosen, den Revolutionstruppen“ schon anderes erwartet werden!

Das Schloss beherbergt heute einen Golfclub, die neue Hegemonialmacht überdauerte die Zeiten bekanntermaßen ebenso nicht wie das Nonnenstift – die Orgel aber hat immer noch Bestand, in der Pfarrkirche St. Martinus zu Ollheim. Nun ist sie zu wesentlichen Teilen restauriert, in anderen Teilen an den Ursprungszustand herangeführt und in wiederum anderen Teilen erneuert. In Summa wies sie einen derart bemerkenswerten Originalzustand auf, dass im 251. Jahr ihres Bestehens das Festival OrgelKultur im Rahmen des Beethovenjubläums BTHVN2020 zu einem Festkonzert einlud, gegeben im Jahre d. H. 2020 zu Ehren des großen Ludwig van in der Kirche St. Martinus zu Swisttal-Ollheim.

Es lebe Ludwig!

Die ganze Welt feiert Ludwig van Beethoven
Das Jubiläumsjahr für den großen Komponisten zum 250. Geburtstag steht unter keinem guten Stern. Die Hauptspielstätte für das Bonner Jubiläum, die Beethovenhalle ist immer noch einen Baustelle, und das mit großem Elan vor einem Jahr gestartete Jubiläumsjahr mit seinen zahlreichen Projekten und Konzerten musste bedingt durch die COVID 19-Pandemie ab März wieder abgesagt werden. Auch wenn das Jubiläumsjahr bis September 2021 verlängert wird, geht das eine oder andere verloren.Das vom Rhein-Sieg-Kreis in Kooperation mit der Thomas-Morus-Akademie geplante und realisierte Projekt „OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis“ konnte durch Terminverschiebungen auf 2021 „gerettet“ werden.Ab heute wird der Geburtstag aber ordentlich gefeiert! Mit einem großen Konzert, das live auf 3sat und im WDR-Fernsehen übertragen wird, wird die zweite Hälfte des Jubiläumsjahres eingeläutet. Im Konzert mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim und in einer Festrede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wird des großen Komponisten gedacht. Feiern Sie mit!

Zu den Feierlichkeiten:

Digitales Gästebuch
Gratulieren Sie zusammen mit Gästen aus der ganzen Welt Ludwig van Beethoven zum Geburtstag, oder stöbern Sie in der Vielzahl an internationalen Glückwünschen!
Zum Gästebuch geht hier hier.

BeethovenNacht heute ab 20:00 Uhr:
Die BeethovenNacht am 16. Dezember 2020 um 20:30 Uhr wird live unter magenta-musik-360.de oder bthvn2020.de gestreamt sowie live um 20:04 Uhr im Hörfunk auf WDR 3 übertragen.
Genreübergreifend performen internationale Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne und zelebrieren im Jubiläumsjahr den Komponisten mit Musik, Tanz, Poesie und Gesprächsrunden. Besondere Highlights sind die Uraufführungen der Beethoven-Hommage „Opus 2020“ von Max Richter und Quincy Jones „Ode to Joy“.
Zur heutigen BeethovenNacht geht es hier.

Jubiläums Konzert am Donnerstag, 17. Dezember 2020
Die Festrede hält der Bundespräsident und Schirmherr des Beethoven-Jubiläums BTHVN2020 Frank-Walter Steinmeier.
Ab 20:15 live im Fernsehen auf 3sat, DW-Fernsehen.
Videostreaming auf WDR.de, bthvn2020.de sowie Deutsche Welle;
Live im WDR-Hörfunk. Ab 22:15 Uhr im WDR-Fernsehen als Auftakt in »Die große Beethoven-Nacht«.

Das Programm als PDF-Datei finden Sie hier.

Bildnachweise:
Titelbild BTHVN2020 Qubiläumsgesellschaft
Bild im Text: unsplash, gemeinfrei, by Maxim Abramov

Herzlichen Glückwunsch! Der Bonner Orgelbauer Hans-Gerd Klais wir 90 Jahre alt

Wie kein anderer Orgelbauer prägte Hans-Gerd Klais bis in die neunziger Jahre hinein die Orgelbaulandschaft in Deutschland und auch die Geschicke der Orgelbaufirma Klais, die heute weltweit tätig ist. Die von seinem Großvater Johannes Klais 1882 gegründete, von seinem Vater Gerd Klais weitergeführte Firma übernahm er ab Ende der fünfziger Jahre.
Sie wird heute von seinem Sohn Philipp Klais geleitet. Zahlreiche Instrumente hat er auch im Rheinland erbaut, das damit auch zu einer großartigen Orgellandschaft geworden ist.
Im Festival OrgelKultur begegnen wir bei Konzerten und Exkursionen immer wieder Orgeln der Firma Klais.
Besonders war dies bei der Exkursion „Auf den Spuren von Johannes Klais. Orgel in Meckenheim und Grafschaft“ im Oktober 2020 der Fall, bei der den Spuren des Anfangs von Orgelbau Klais nachgegangen wurde.
Titelbild: Pfeifen der Klais-Orgel in St. Stephan, Mainz von GenosseBarit, wikicommons

Orgelkultur und Qualitätswanderweg

Die Orgelkonzerte und Orgelexkursionen finden sowohl im linksrheinischen als auch im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis an außergewöhnlich schönen Orten mit sehenswerten Landschaften statt. So befinden sich zum Beispiel die Abteikirche St. Michael in Siegburg, die Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes in Hennef-Bödingen, die Pfarrkirche St. Katharina in Hennef-Stadt Blankenberg und der Siegtaldom von St. Laurentius in Windeck-Dattenfeld mitten in der Naturregion Sieg und damit dort, wo andere Urlaub machen.

Siegtaldom in Windeck-Dattenfeld, ©Rhein-Sieg-Kreis

Sie können also im Beethoven-Jubiläumsjahr an zahlreichen Orten im Siegtal an einem Tag (organisiert) Kulturgenuss, Orgel- und Kirchenhistorie erleben sowie an anderen Tagen beeindruckende Fluss- und Kulturlandschaften sowie ausgedehnte Wälder auf ursprünglichen Pfaden und Wegen mit herrlichen Aussichten (individuell) erwandern.

Der „Natursteig Sieg“ bietet hierzu als zertifizierter Qualitätswanderweg auf 200 km pures Wandervergnügen durch das malerische Siegtal und über die umliegenden Höhen von Siegburg, Hennef, Eitorf und Windeck bis in den Landkreis Altenkirchen hinein. Ob Tagestour oder Fernwanderung: Auf insgesamt 14 Etappen zwischen 11 km und 25 km Länge zeigt sich die Landschaft voller Attraktionen. Mal geht die Route an eindrucksvollen Naturdenkmälern vorbei oder über felsigen Passagen auf einsame Höhen. Dann an der Sieg oder einem Bach entlang, vorbei an Kirchen und Kapellen, Burgruinen und Fachwerkdörfern. Die Landschaft an der Sieg mit ihrer ursprünglichen Natur ist voll überraschender Vielfalt und immer noch ein Geheimtipp. TRAIL & RAIL: Jede der 14 Etappen des Natursteigs Sieg startet an einem Bahnhof und ist ganz individuell als Einzelperson oder auch als Gruppe ohne große vorherige Planung jederzeit begehbar.

Zusätzlich zu den 14 Etappen des Natursteigs Sieg führen 20 „Erlebniswege Sieg“ jeweils als Rundwege zu weiteren kulturellen und landschaftlichen Highlights der Region. Die abwechslungsreichen, mal leicht zu bewältigenden, mal anspruchsvolleren Rundwege führen durch die schönsten und außergewöhnlichsten Landschaften der Naturregion Sieg. Unterwegs können Sie Kirchen, Klöster, Denkmäler und auch Kurioses entdecken. Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten bei Qualitätsgastgebern runden das Erlebnis ab.

Alle 20 Erlebnis-Rundwege mit einer Länge zwischen 5 km und 25 km verbinden (jeweils unter ganz bestimmten Themen) die kulturellen und landschaftlichen Schätze der Region. Startpunkt ist immer ein Wanderparkplatz. Kurze Touren mit rund 6 km bis 8 km Länge wie der „Marienweg“ mit der Wallfahrtskirche in Altenbödingen, der „Burgweg“ mit dem mittelalterlichen Fachwerkstädtchen Stadt Blankenberg und der „Mäanderweg“ durch den Sieg-Auenwald bei Schladern versprechen entspanntes Wandern mit Zeit, Neues zu entdecken, zu verweilen oder einzukehren.

Historische Pulvermühle in Windeck, ©Rhein-Sieg-Kreis

Anspruchsvollere Routen wie der 11,6 km lange „Pulvermühlenweg“ mit dem Denkmal der historischen Pulvermühle im Windecker Elisental sowie dem Siegtaldom in Dattenfeld bieten hingegen auch sportliche Herausforderungen. Auf allen Erlebnis-Rundwegen vermitteln zusätzlich Info-Stationen Wissenswertes aus der Vergangenheit und Gegenwart der Region.

Weitere Informationen unter: www.naturregion-sieg.de

Hans-Peter Hohn (Beethoven-Projektkoordinator 2020/21)

OrgelCamp 2020 – Im Gespräch mit der Organistin Gabriele Wurm

Gabriele Wurm ©Studio157Vom 12. bis 15. Oktober 2020 findet in Siegburg ein Orgelcamp für Nachwuchsorganistinnen und Nachwuchsorganisten statt.
Andreas Würbel, Referent der Thomas-Morus-Akademie sprach mit der Kölner Organistin Gabriele Wurm, die eine der Dozentinnen des OrgelCamps ist.
Frau Wurm, was hat Sie überzeugt, beim OrgelCamp mitzuwirken?
Das ist ein so tolles Angebot für Kinder und Jugendliche – da habe ich sofort zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich da mitmachen würde!
Was ist das Besondere am OrgelCamp und wie würden Sie sich vorstellen, gehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem OrgelCamp?
Es wird ein unheimlich vielfältiges Programm geboten.  Die Teilnehmenden bekommen nicht nur Unterricht auf ganz unterschiedlichen Orgeln, sondern erleben bei einem Besuch der Orgelbaufirma Klais sogar, wie diese tollen Instrumente gebaut werden und was alles an Technik dahintersteckt.  Außerdem sind die Teilnehmenden im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg (KSI) toll untergebracht.Ich hielte es für ein klasse Ergebnis, wenn bei den Teilnehmern das Interesse an der Orgel geweckt würde und vielleicht der/die ein- oder andere Lust bekäme, das Instrument zu erlernen!
Auf welche Weise wollen Sie die jungen Menschen für das Instrument Orgel begeistern und was begeistert Sie ganz persönlich an dem Instrument?
Den Spaß, den ich selbst an der Orgel und der Musik habe, möchte ich weitergeben.  Besonders fasziniert mich an der Orgel die Vielfältigkeit der Klangfarben – da steckt ein ganzes Orchester drin! Manche Klänge reißen die Zuhörer mit, andere wiederum verzaubern … Jedes Instrument ist einzigartig und was bei der einen Orgel nach sanfter Oboe, kann bei der nächsten nach Bärengebrüll  klingen! Die Orgeln klingen in meiner Heimat Süddeutschland anders als in Norddeutschland, die in Spanien anders als die in Frankreich – das ist unglaublich spannend!
Neben den von Ihnen angesprochenen Einheiten zum Aufbau der Orgel und zu den ersten Orgelstunden gehört auch ein attraktives Rahmenprogramm. Wie sieht es aus?
Wir werden neben der schon angesprochenen Fahrt zur Firma Klais zum Beispiel auch eine Exkursion zum Kölner Dom machen und dort eine Vorführung der großen Domorgel durch den Domorganisten, Herrn Bönig bekommen!
Wie kann man sich für eine Teilnahme am OrgelCamp bewerben?
Ganz einfach: Wer Grundkenntnisse auf einem Tasteninstrument hat (zwei Jahre) kann sich einfach bis zum 30. Juli hier anmelden. Hier kann man auch eine Ton- oder Videodatei hochladen.
Frau Wurm, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Auf ein Wort mit… Rainer Land

Auf ein Wort mit…

… Rainer Land.
Rainer Land ist Leiter des Kultur- und Sportamtes des Rhein-Sieg-Kreises und seit Jahren an der Vorbereitung des Beethoven-Jubiläums 2020 in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis beteiligt. Zusammen mit der Stadt Bonn, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland trägt und finanziert der Rhein-Sieg-Kreis die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft in Bonn, die das gesamte Jubiläumsprogramm verantwortet und fördert. Rainer Land ist ein „Eigengewächs“ der Kreisverwaltung in Siegburg. Nach verschiedenen Verwaltungsstationen übernahm er im Jahr 2000 die Verantwortung für die Kulturarbeit des Kreises. In dem Beethoven-Jubiläum sieht er einen Höhepunkt seines Berufslebens.

Deutschland zählt zu den weltweit wichtigsten Ländern in der Orgelkunst. Die UNESCO hat diese Tradition daher in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Projekt “Orgelkultur im Rhein-Sieg-Kreis” verspricht zahlreiche intensive musikalische Erlebnisse rund um die “Königin der Instrumente” und hebt durch seine unterschiedlichen Angebote versteckte Schätze in der Region. Im Rahmen des Beethovenjubiläums 2020 realisiert die Thomas-Morus-Akademie in Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis 10 Konzerte, 8 OrgelExkursionen, ein OrgelCamp für Nachwuchsorganisten und ein OrgelErlebnis für Kinder.

Warum fällt im Jubiläumsjahr 2020 gerade ein Blick auf Beethoven und die Orgel?
Als wir uns vor vier, fünf Jahren erste Gedanken über ein Jubiläumsprogramm im Rhein-Sieg-Kreis gemacht haben, stellte sich schnell das Orgelthema als ein Schwerpunkt heraus. Die Verbindung Beethoven und Orgel mutet auf den ersten, schnellen Blick ungewöhnlich an, sind von ihm doch nur wenige Werke für die Orgel bekannt, deren Authentizität zudem nicht sicher ist. Aber er hat als Heranwachsender das Orgelspiel gelernt und regelmäßig auf hohem Niveau ausgeübt. Schon mit zwölf Jahren vertrat er seinen Lehrer Christian Gottlob Neefe an der Orgel, später wurde er dessen Nachfolger als Hoforganist. Überliefert ist, dass er auch an einigen Orten im Rhein-Sieg-Kreis die Orgel gespielt hat. Der junge Beethoven ist in seiner Heimat, die er auch in Wien nie vergessen sollte, vielerorts zuerst als Organist wahrgenommen worden und hat sich die Orgel mit dieser Tätigkeit erschlossen.
Unser Festival „OrgelKultur“ greift dies als Bezugspunkt auf. Es ist gewissermaßen eine musikalische und kulturelle Entdeckungsreise durch die Kirchen und zu den Orgeln unserer Heimat – und schlägt den Bogen aus der Beethovenzeit in die Gegenwart, insbesondere auch durch die Vielfalt der musikalischen Stile und Epochen.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis?
Die Programmstruktur macht die Schwerpunkte deutlich. Die OrgelKonzerte werden von erstklassigen Organistinnen und Organisten bestritten. Sie bieten ein breites musikalisches Spektrum von der Barockzeit bis zur zeitgenössischen Musik. Es wird aber immer auch einen geistlichen Impuls und einen kurzen Wortbeitrag zu der jeweiligen Kirche und ihrer Orgel geben. Das gehört einfach zusammen.
Die OrgelExkursionen führen immer zu vier, fünf benachbarten Kirchen. Sie lassen auf kleinerem Raum die Vielfalt unserer Kirchen- und Orgellandschaft erleben und werden gewiss auch Anlass geben, über deren prägende Bedeutung nachzudenken. Auf die Exkursionen trifft das Wort von der Reise zu den mitunter versteckten Schätzen der Region besonders zu. Reizvoll ist dabei auch, dass jede Exkursion einen roten Faden, d. h. ein übergeordnetes Thema hat.
Das OrgelCamp und die OrgelErlebnisse tragen dem Ziel Rechnung, im Beethoven-Jahr besonders etwas für die musikalische Bildung und für den Nachwuchs zu tun. Dies ist ein Aspekt, der auch bei anderen Projekten Richtschnur ist.

Auf welche Weise wollen Sie mit dem Festival junge Menschen für das Instrument Orgel faszinieren?
Auf zwei Wegen: Die OrgelErlebnisse sind ein spezielles Angebot für Grundschulen. Klassenweise kann eine Doppelstunde in einer nahe gelegenen Kirche gebucht werden. Dort erleben die Kinder eine Orgel hautnah. Sie hören ein Musikstück, das für ihre Altersgruppe besonders geeignet ist und dessen Melodie sie vielleicht schon kennen, sie können sich das Instrument aus nächster Nähe anschauen, sie dürfen Fragen stellen. Das ist kulturelle Bildung am konkreten Objekt vor der Haus- bzw. Schultür.
An Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits Grundkenntnisse und erste Erfahrungen auf dem Klavier haben, richtet sich das OrgelCamp. Es findet in den Herbstferien 2020 im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg und in Siegburger Kirchen statt. An vier Tagen werden die Teilnehmer intensive Erfahrungen mit der Orgel machen, aber auch interessante Ausflüge zur Orgelbaufirma Klais in Bonn und zum Kölner Dom unternehmen, wo sie eine exklusive Vorführung der Domorgel durch den Domorganisten Winfried Bönig erleben. Philipp Klais, der in sein weltbekanntes Unternehmen einlädt, stand uns übrigens mit Rat und Tat von Anfang an zur Seite.

Was ist Ihr persönliches Highlight des Festivals? Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich freue mich sehr, wenn es am 12. Januar in Swisttal losgeht. Das Eröffnungskonzert ist eine besonders enge Kooperation mit der Gemeinde Swisttal und der örtlichen Kirchengemeinde St. Martinus Swisttal. Vor fünf Jahren durfte ich dabei sein, als die historische Barockorgel von Christian Ludwig König, die zwei Jahre vor Beethovens Geburt errichtet wurde, nach einer umfassenden Restaurierung durch die Firma Klais wieder in Dienst gestellt wurde. Jetzt bin ich auf das Konzert des Speyrer Domorganisten Markus Eichenlaub gespannt.
Zum Abschluss schlägt das Konzert am 22. November in der Abteikirche St. Michael in Siegburg wieder den Bogen zu Beethovens Werk. Die Aufführung der Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II. und der Messe in C vereint viele Mitwirkende und setzt damit auch einen symbolischen Schlusspunkt.
Besonders freue ich mich aber auch darauf, am 23. August die Jazzorganistin Barbara Dennerlein auf der Orgel der Evangelischen Auferstehungskirche in Siegburg zu erleben.

Sehr geehrter Herr Land, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die Veranstaltungen im Rahmen des Projektes OrgelKultur mit Ihnen! Die Fragen stellte Andreas Würbel, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.