OrgelCamp 2020 – Im Gespräch mit der Organistin Gabriele Wurm

Gabriele Wurm ©Studio157Vom 12. bis 15. Oktober 2020 findet in Siegburg ein Orgelcamp für Nachwuchsorganistinnen und Nachwuchsorganisten statt.
Andreas Würbel, Referent der Thomas-Morus-Akademie sprach mit der Kölner Organistin Gabriele Wurm, die eine der Dozentinnen des OrgelCamps ist.
Frau Wurm, was hat Sie überzeugt, beim OrgelCamp mitzuwirken?
Das ist ein so tolles Angebot für Kinder und Jugendliche – da habe ich sofort zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich da mitmachen würde!
Was ist das Besondere am OrgelCamp und wie würden Sie sich vorstellen, gehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem OrgelCamp?
Es wird ein unheimlich vielfältiges Programm geboten.  Die Teilnehmenden bekommen nicht nur Unterricht auf ganz unterschiedlichen Orgeln, sondern erleben bei einem Besuch der Orgelbaufirma Klais sogar, wie diese tollen Instrumente gebaut werden und was alles an Technik dahintersteckt.  Außerdem sind die Teilnehmenden im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg (KSI) toll untergebracht.Ich hielte es für ein klasse Ergebnis, wenn bei den Teilnehmern das Interesse an der Orgel geweckt würde und vielleicht der/die ein- oder andere Lust bekäme, das Instrument zu erlernen!
Auf welche Weise wollen Sie die jungen Menschen für das Instrument Orgel begeistern und was begeistert Sie ganz persönlich an dem Instrument?
Den Spaß, den ich selbst an der Orgel und der Musik habe, möchte ich weitergeben.  Besonders fasziniert mich an der Orgel die Vielfältigkeit der Klangfarben – da steckt ein ganzes Orchester drin! Manche Klänge reißen die Zuhörer mit, andere wiederum verzaubern … Jedes Instrument ist einzigartig und was bei der einen Orgel nach sanfter Oboe, kann bei der nächsten nach Bärengebrüll  klingen! Die Orgeln klingen in meiner Heimat Süddeutschland anders als in Norddeutschland, die in Spanien anders als die in Frankreich – das ist unglaublich spannend!
Neben den von Ihnen angesprochenen Einheiten zum Aufbau der Orgel und zu den ersten Orgelstunden gehört auch ein attraktives Rahmenprogramm. Wie sieht es aus?
Wir werden neben der schon angesprochenen Fahrt zur Firma Klais zum Beispiel auch eine Exkursion zum Kölner Dom machen und dort eine Vorführung der großen Domorgel durch den Domorganisten, Herrn Bönig bekommen!
Wie kann man sich für eine Teilnahme am OrgelCamp bewerben?
Ganz einfach: Wer Grundkenntnisse auf einem Tasteninstrument hat (zwei Jahre) kann sich einfach bis zum 30. Juli hier anmelden. Hier kann man auch eine Ton- oder Videodatei hochladen.Frau Wurm, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Auf ein Wort mit… Rainer Land

Auf ein Wort mit…

… Rainer Land.
Rainer Land ist Leiter des Kultur- und Sportamtes des Rhein-Sieg-Kreises und seit Jahren an der Vorbereitung des Beethoven-Jubiläums 2020 in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis beteiligt. Zusammen mit der Stadt Bonn, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland trägt und finanziert der Rhein-Sieg-Kreis die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft in Bonn, die das gesamte Jubiläumsprogramm verantwortet und fördert. Rainer Land ist ein „Eigengewächs“ der Kreisverwaltung in Siegburg. Nach verschiedenen Verwaltungsstationen übernahm er im Jahr 2000 die Verantwortung für die Kulturarbeit des Kreises. In dem Beethoven-Jubiläum sieht er einen Höhepunkt seines Berufslebens.

Deutschland zählt zu den weltweit wichtigsten Ländern in der Orgelkunst. Die UNESCO hat diese Tradition daher in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Projekt “Orgelkultur im Rhein-Sieg-Kreis” verspricht zahlreiche intensive musikalische Erlebnisse rund um die “Königin der Instrumente” und hebt durch seine unterschiedlichen Angebote versteckte Schätze in der Region. Im Rahmen des Beethovenjubiläums 2020 realisiert die Thomas-Morus-Akademie in Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis 10 Konzerte, 8 OrgelExkursionen, ein OrgelCamp für Nachwuchsorganisten und ein OrgelErlebnis für Kinder.

Warum fällt im Jubiläumsjahr 2020 gerade ein Blick auf Beethoven und die Orgel?
Als wir uns vor vier, fünf Jahren erste Gedanken über ein Jubiläumsprogramm im Rhein-Sieg-Kreis gemacht haben, stellte sich schnell das Orgelthema als ein Schwerpunkt heraus. Die Verbindung Beethoven und Orgel mutet auf den ersten, schnellen Blick ungewöhnlich an, sind von ihm doch nur wenige Werke für die Orgel bekannt, deren Authentizität zudem nicht sicher ist. Aber er hat als Heranwachsender das Orgelspiel gelernt und regelmäßig auf hohem Niveau ausgeübt. Schon mit zwölf Jahren vertrat er seinen Lehrer Christian Gottlob Neefe an der Orgel, später wurde er dessen Nachfolger als Hoforganist. Überliefert ist, dass er auch an einigen Orten im Rhein-Sieg-Kreis die Orgel gespielt hat. Der junge Beethoven ist in seiner Heimat, die er auch in Wien nie vergessen sollte, vielerorts zuerst als Organist wahrgenommen worden und hat sich die Orgel mit dieser Tätigkeit erschlossen.
Unser Festival „OrgelKultur“ greift dies als Bezugspunkt auf. Es ist gewissermaßen eine musikalische und kulturelle Entdeckungsreise durch die Kirchen und zu den Orgeln unserer Heimat – und schlägt den Bogen aus der Beethovenzeit in die Gegenwart, insbesondere auch durch die Vielfalt der musikalischen Stile und Epochen.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis?
Die Programmstruktur macht die Schwerpunkte deutlich. Die OrgelKonzerte werden von erstklassigen Organistinnen und Organisten bestritten. Sie bieten ein breites musikalisches Spektrum von der Barockzeit bis zur zeitgenössischen Musik. Es wird aber immer auch einen geistlichen Impuls und einen kurzen Wortbeitrag zu der jeweiligen Kirche und ihrer Orgel geben. Das gehört einfach zusammen.
Die OrgelExkursionen führen immer zu vier, fünf benachbarten Kirchen. Sie lassen auf kleinerem Raum die Vielfalt unserer Kirchen- und Orgellandschaft erleben und werden gewiss auch Anlass geben, über deren prägende Bedeutung nachzudenken. Auf die Exkursionen trifft das Wort von der Reise zu den mitunter versteckten Schätzen der Region besonders zu. Reizvoll ist dabei auch, dass jede Exkursion einen roten Faden, d. h. ein übergeordnetes Thema hat.
Das OrgelCamp und die OrgelErlebnisse tragen dem Ziel Rechnung, im Beethoven-Jahr besonders etwas für die musikalische Bildung und für den Nachwuchs zu tun. Dies ist ein Aspekt, der auch bei anderen Projekten Richtschnur ist.

Auf welche Weise wollen Sie mit dem Festival junge Menschen für das Instrument Orgel faszinieren?
Auf zwei Wegen: Die OrgelErlebnisse sind ein spezielles Angebot für Grundschulen. Klassenweise kann eine Doppelstunde in einer nahe gelegenen Kirche gebucht werden. Dort erleben die Kinder eine Orgel hautnah. Sie hören ein Musikstück, das für ihre Altersgruppe besonders geeignet ist und dessen Melodie sie vielleicht schon kennen, sie können sich das Instrument aus nächster Nähe anschauen, sie dürfen Fragen stellen. Das ist kulturelle Bildung am konkreten Objekt vor der Haus- bzw. Schultür.
An Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits Grundkenntnisse und erste Erfahrungen auf dem Klavier haben, richtet sich das OrgelCamp. Es findet in den Herbstferien 2020 im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg und in Siegburger Kirchen statt. An vier Tagen werden die Teilnehmer intensive Erfahrungen mit der Orgel machen, aber auch interessante Ausflüge zur Orgelbaufirma Klais in Bonn und zum Kölner Dom unternehmen, wo sie eine exklusive Vorführung der Domorgel durch den Domorganisten Winfried Bönig erleben. Philipp Klais, der in sein weltbekanntes Unternehmen einlädt, stand uns übrigens mit Rat und Tat von Anfang an zur Seite.

Was ist Ihr persönliches Highlight des Festivals? Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich freue mich sehr, wenn es am 12. Januar in Swisttal losgeht. Das Eröffnungskonzert ist eine besonders enge Kooperation mit der Gemeinde Swisttal und der örtlichen Kirchengemeinde St. Martinus Swisttal. Vor fünf Jahren durfte ich dabei sein, als die historische Barockorgel von Christian Ludwig König, die zwei Jahre vor Beethovens Geburt errichtet wurde, nach einer umfassenden Restaurierung durch die Firma Klais wieder in Dienst gestellt wurde. Jetzt bin ich auf das Konzert des Speyrer Domorganisten Markus Eichenlaub gespannt.
Zum Abschluss schlägt das Konzert am 22. November in der Abteikirche St. Michael in Siegburg wieder den Bogen zu Beethovens Werk. Die Aufführung der Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II. und der Messe in C vereint viele Mitwirkende und setzt damit auch einen symbolischen Schlusspunkt.
Besonders freue ich mich aber auch darauf, am 23. August die Jazzorganistin Barbara Dennerlein auf der Orgel der Evangelischen Auferstehungskirche in Siegburg zu erleben.

Sehr geehrter Herr Land, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die Veranstaltungen im Rahmen des Projektes OrgelKultur mit Ihnen! Die Fragen stellte Andreas Würbel, Thomas-Morus-Akademie Bensberg.